17.07.2017 03:30 | epd

Viele homosexuelle Paare wollen die Umwandlung ihrer Partnerschaften in Ehen beantragen: „Ehe für alle“ sorgt für Ansturm bei Standesämtern

Frankfurt Der Bundestagsbeschluss zur „Ehe für alle“ führt in den Standesämtern von Frankfurt und Wiesbaden bereits jetzt zu vielen Anfragen. Das Frankfurter Amt werde fast täglich kontaktiert, sagte dessen Leiterin Andrea Hart.

Schlüssel zum Glück: Die Tür zum Frankfurter Standesamt möchten jetzt viele homosexuelle Paare zwecks Hochzeit betreten.
Schlüssel zum Glück: Die Tür zum Frankfurter Standesamt möchten jetzt viele homosexuelle Paare zwecks Hochzeit betreten. Bild: Arne Dedert (dpa)

Viele schwule und lesbische Paare können es offenbar kaum erwarten, ihr neues Recht auf Eheschließung bald wahrzunehmen. Bundesweit liegen Anfragen in den Standesämtern vor, die aber noch auf genaue Anweisungen zum Prozedere warten. Konkrete Auskünfte über die Umwandlung von eingetragenen Lebenspartnerschaften in Ehen kann Andrea Hart deshalb noch nicht geben. Zunächst müsse das Inkrafttreten des Gesetzes und der Verfahrensvorschriften abgewartet werden. Auch seien weitere gesetzliche Änderungen wie im Personenstandsgesetz sowie an den elektronischen Registern und Urkunden notwendig.

Nach Angaben der Leiterin des Frankfurter Standesamtes wurden in den beiden Frankfurter Standesamtsbezirken seit August 2001 rund 3700 Lebenspartnerschaften geschlossen. Im vergangenen Jahr seien 156 Lebenspartnerschaften begründet und 2874 Ehen geschlossen worden. Hart rechnet damit, dass die meisten homosexuellen Paare die Umwandlung ihrer Partnerschaften in Ehen beantragen werden. Sie hofft, dass dies ohne nochmalige Zeremonie in den Trausälen möglich sein wird, denn in der 700 000-Einwohner-Stadt am Main gebe es schon jetzt zu wenig Standesbeamte.

Einschätzung unmöglich

Das Standesamt der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden habe seit der Bundestagsentscheidung Ende Juni rund 15 Anfragen erhalten, sagte Bürgermeister Oliver Franz (CDU). Die Partner seien darüber informiert worden, dass nähere Informationen vermutlich erst im Oktober vorliegen werden. „Eine Einschätzung, wie viele Paare die Umwandlung vornehmen wollen, können wir derzeit nicht abgeben“. Laut Franz wurden 2016 in Wiesbaden 36 Lebenspartnerschaften begründet und 1610 Ehen geschlossen. Seit 2001 seien in der Stadt rund 400 Lebenspartnerschaften beurkundet worden.

Schon vor dem Inkrafttreten der „Ehe für alle“ melden sich bundesweit Interessierte bei den Standesämtern. Nach einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes, liegen in vielen deutschen Großstädten Anfragen von schwulen und lesbischen Paaren vor, die eine Ehe eingehen oder ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln wollen. Der Bundestag hatte am 30. Juni ein Gesetz beschlossen, nach dem die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird. Den Bundesrat passierte das Gesetz eine Woche später.

Noch fehlt die Unterschrift des Bundespräsidenten unter dem Gesetz. Wie das Präsidialamt mitteilte, ist der Beschluss noch nicht eingegangen. Drei Monate nach Ausfertigung soll die „Ehe für alle“ in Kraft treten. Die Standesämter gehen laut epd-Umfrage davon aus, dass dies im Oktober oder November der Fall sein wird – je nachdem, wann Frank-Walter Steinmeier (SPD) endgültig grünes Licht gibt.

Seit 2001 konnten gleichgeschlechtliche Paare eine Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe weitgehend gleichgestellt war. Was fehlte, war unter anderem aber das Recht, gemeinsam Kinder zu adoptieren. Dass schwule und lesbische Paare künftig auch „richtig“ heiraten können, ist nicht unumstritten. Auch eine Verfassungsklage gegen das Gesetz ist nicht ausgeschlossen.

Regionale Unterschiede

Das Interesse an der „Ehe für alle“ ist regional unterschiedlich. Während es im Berliner Bezirk Schöneberg-Tempelhof, dem Quartier mit den meisten Lebenspartnerschaften, laut dem dortigen Standesamtes im Durchschnitt vier Anfragen pro Tag gibt und sich in Leipzig bis Mitte der Woche gut vier Dutzend Paare nach Eheschließung oder Umwandlung ihrer Partnerschaft erkundigt haben, gab es in Dresden und den bayerischen Städten Ansbach, Aschaffenburg und Bamberg noch gar keine Anfragen.

In Freiburg meldeten sich bis Ende der Woche sieben Paare. In ähnlicher Größenordnung bewegten sich Anfragen in Hannover, Saarbrücken, Köln und Magdeburg. In Köln meldeten sich rund 30 Interessierte, in Stuttgart ein gutes Dutzend Paare, die heiraten wollen.

(epd)

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