17.07.2017 03:30 | Dorit Lohrmann

Flora der Kransberger Hainbuchenallee: Fundsachen aus dem Wald

Usingen Was haben Grabsteine im Wald zu suchen? Wurden unsere Ahnen früher etwa in der Wildnis bestattet? Eine kleine Tour durch die Hainbuchenallee in Kransberg offenbart Erstaunliches und so manchen Müll.

Eine Inschrift ist auf diesem alten Grabstein nicht mehr auszumachen, zu lange hat der Zahn der Zeit an ihm genagt. Weitere Grabsteine werden noch im Dickicht vermutet. Wer sie hier abgeladen hat, bleibt im Dunklen.
Eine Inschrift ist auf diesem alten Grabstein nicht mehr auszumachen, zu lange hat der Zahn der Zeit an ihm genagt. Weitere Grabsteine werden noch im Dickicht vermutet. Wer sie hier abgeladen hat, bleibt im Dunklen. Bild: Dorit Lohrmann

Stille herrscht im Gehölz. Das heißt, kein von Menschen verursachter Laut dringt in den Wald, der den Kransberger Friedhof umgibt. Nur Vögel zwitschern, und ab und an raschelt ein Luftzug durchs Laub. Besinnlich ist diese Ruhe, dem benachbarten Friedhof ebenso angemessen wie den Bedürfnissen von Flora und Fauna.

Schnurgerade zieht sich die Allee von der Straße, die sich vom Dorf hinauf zu Schloss und Friedhof schlängelt, am Gottesacker entlang den Hügel hoch in Richtung Usingen. 100 Hainbuchen säumen den Weg. Im GPS Wanderatlas wird die 250 Jahre alte Hainbuchenallee als kulturgeschichtlich bedeutsames Landschaftselement ausgewiesen, sie ist ein Naturdenkmal Usingens.

Wer mag sein Werkzeug wohl in dem Baum vergessen haben? Foto: Dorit Lohrmann
Wer mag sein Werkzeug wohl in dem Baum vergessen haben?

Der Friedhof liegt zur Linken, während auf der rechten Seite die Böschung hinunter zu einem schmalen Bächlein abfällt. Aneinander gereihte schwarze Schlammsuhlen belegen, dass es sich bei dem Wald um Wildschweinland handelt. Eine wahrlich beschauliche Umgebung, die sich da dem Auge auftut.

Grabsteine entsorgt

Bis auf die Tatsache, dass das abgelegene Gelände offenbar als Müllkippe missbraucht wird. Als Bauamtsmitarbeiter Dirk Schlösser den Schaden am Unterbau der Schlossstraße begutachtete, stieß er auf Ablagerungen, die ihn stutzig machten. „Dort liegen sogar Grabsteine rum“, wunderte sich Usingens Denkmalpfleger. „Und noch einiges mehr.“ Und tatsächlich wird man in dem Waldstück fündig. Mindestens zwei alte Grabsteine sind zu sehen, im unzugänglichen Unterholz könnten noch mehr versteckt liegen. Wie alt sie sind, lässt sich mit bloßem Auge nicht feststellen, da eine Inschrift fehlt oder durch jahrelange Witterungseinflüsse unkenntlich geworden ist.

Bei genauerer Betrachtung können allerdings auch Zweifel aufkeimen, ob es sich wirklich um Grabsteine handelt und nicht etwa um Bauteile eines alten Gebäudes. Doch die beiden steinernen Relikte sind längst nicht alles, was da über den Waldboden verstreut zu finden ist. In einiger Entfernung blitzt zwischen den Stämmen ein Gegenstand wie eine Amphore hervor. Beim Näherkommen entpuppt sie sich allerdings als simpler Blumentopf der Neuzeit.

Der Blumentopf der Neuzeit hat im Wald auch nichts verloren. Foto: Dorit Lohrmann
Der Blumentopf der Neuzeit hat im Wald auch nichts verloren.

Ein eiserner Ring ist dazu geeignet, die Fantasie in Bewegung zu setzen. Handelt es sich um einen Fassreifen, der früher Holzdauben zusammenhielt? Oder hat ein Ritter einen Teil seiner martialischen Bekleidung verloren? Außerdem ähnelt der Metallring optisch ein wenig dem Gürtel der Comic-Figur Obelix.

Glas und Kunststoff

Es irritiert, dass zwischen den antik aussehenden Trümmern auch noch so viel offensichtlich moderner Müll liegt. Flaschen und Einmachgläser in allen Variationen wechseln sich mit Joghurt- und anderen Kunststoffbehältern ab. Dass Käse- und Wurstverpackungen Risse aufweisen, wie sie Waschbären meist mit ihren Krallen hinterlassen, sollte nicht unbedingt als Beweis dafür gelten, dass diese Tiere auch verantwortlich für die Umweltverschmutzung sind. Eher ist anzunehmen, dass die Tiere des Waldes den von Umweltfrevlern abgeladenen Müll nach Fressbarem untersucht haben.

Die Hainbuchen entlang der Allee wurden vor 250 Jahren gepflanzt. Kein Wunder daher, dass viele von ihnen schon hohle Stämme haben. In einem davon hat jemand Werkzeug deponiert – und danach anscheinend vergessen. Ebenso wie den Spaten, der gleich nebenan an einem Stamm lehnt.

Nichtsdestotrotz – wenn auch die von der Zufahrtsstraße abgehende Böschung als Müllhalde missbraucht wurde, so lohnt es sich dennoch allemal, die alte Hainbuchenalle hinaufzuwandern. Erholsam ist die Ruhe im Wald auf jeden Fall.

Kommentare

  • Die wundersamen Funde im Wald...
    geschrieben von BRIGID (1 Beiträge) am

    Als alte Kranbergerin muss ich mich schon ein wenig wundern, über diese Interpretationen. Manchmal ist es hilfreich, wenn man einen Menschen fragt, der sich auskennt. Hätte die Schreiberin zum Beispiel einen alten Kransberger gefragt, dann hätte dieser ihr sagen können, das der komplette Hang, vom Schloß bis hin zur Kirche voller alter Grabsteine ist. Rund um die Schloßkapelle wurden viele Mauern mit Grabsteinen der letzten Jahrhunderte gebaut, so auch Stützmauern rund um den heutigen "neuen" Friedhof.
    Das Werkzeug wird gebraucht, von dem heutigen "Papa" der Allee, Hr. Selzer, der sich hoffentlich guter Gesundheit erfreut. Dieser kümmert sich nähmlich rührend um die Erhaltung der kostbaren Allee und schützt seine Pflänzchen, welche er seine Kinder nennt, auch im Winter im hohen Schnee vor dem Angriff hungriger Schwarzkittel. Es ist ein ganz besonderer Ort und ich stimme auf jeden Fall zu, das sich ein Besuch dort immer lohnt. Es grüßt eine ehemalige Kransbergerin mit viel Heimweh.



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