13.09.2017 03:30 |

„Sgt. Pepper“ von den Beatles: Interview mit Peter Kemper: Das wichtigste Album der Pop-Historie

Usingen Es ist nicht außergewöhnlich, dass sich jemand mit den Beatles beschäftigt. Eher selten ist aber, dass sich ein Mensch wie Peter Kemper auf ein Album der Pop-Legenden stürzt und es bis ins kleinste Detail analysiert. Warum? Darüber sprach er mit unserem Redakteur Andreas Burger.

Die „Fab Four“ aus Liverpool auf dem Cover des Albums „Sgt. Pepper“ (von links): Ringo Starr, John Lennon, Paul McCartney und George Harrison.
Die „Fab Four“ aus Liverpool auf dem Cover des Albums „Sgt. Pepper“ (von links): Ringo Starr, John Lennon, Paul McCartney und George Harrison.

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Beatles, was fasziniert Sie so an deren Musik?

PETER KEMPER: Mit den Beatles fing letztlich alles an. Sie veränderten das Gesicht einer ganzen Generation und hatten maßgeblichen Anteil daran, dass sich populäre Musik (Schlager) zur Rockmusik wandelte. Ihr melodisches Ingenium, ihre Lebensfreude und Experimentierlust, all das traf ins Herz einer sich weltweit formierenden Jugendkultur. Tausende von Coverversionen zeigen, wie belastbar und unvergänglich ihre Songs sind.

Welches sind Ihre Lieblingshits? Welche halten Sie für die bedeutendsten?

KEMPER: Mein Lieblingssong ist „A Day In The Life“ vom „Sgt. Pepper“-Album – nicht nur wegen der absolut innovativen Textgestaltung und revolutionären Instrumentierung, sondern weil er die perfekte Balance hält zwischen melancholischer Nachdenklichkeit und optimistischer Emphase. Daneben gefällt mir ein früher Kracher wie „I Want To Hold Your Hand“ mit seiner überwältigenden Vitalität besonders gut oder „In My Life“ mit seiner ermutigenden Erinnerungskraft.

Werden die Beatles heute überhaupt noch gehört – außer von Ihrer Generation?

KEMPER: Die Beatles gehören ja inzwischen zum Weltkulturerbe und haben längst eine generationsübergreifende Bedeutung erlangt. Viele Kinder und Jugendliche lernen – das ist meine Erfahrung – Beatles-Songs zum ersten Mal über ihre Eltern kennen. Gleichwohl ist die Sogkraft ihrer Lieder auch für die junge Generation ungebrochen. Auch der Einfluss der „Fab Four“ in der aktuellen Popmusik ist in Bezug auf Songwriting und Arrangement unüberhörbar.

Sie halten Ihren Multi-Media-Vortrag im Rahmen des Programms „Ost-West“. Wie passen die britischen Beatles da hinein?

KEMPER: Die Beatles waren ja die ersten, die sich der indischen Kultur und ihrer Musik geöffnet haben. Sie besuchten nicht nur den Maharishi Mahesh Yogi für Meditationsstudien in seinem Camp in Rishikesh, sondern ließen sich auch von dem Sitar-Virtuosen Ravi Shankar unterrichten. Vor allem George Harrison suchte schon zu Zeiten von „Sgt. Pepper“ sein Seelenheil in östlicher Philosophie. „Within You Without You“ ist in dieser Hinsicht ein Musterbeispiel für hinduistisch motivierten Ego-Verzicht.

Und, abschließende Frage: An wen richtet sich Ihr Sgt.Pepper-Abend?

KEMPER: Natürlich an alle, die damals im Sommer 1967 die aufstörende Wirkung und den kreativen Impuls – jenes „kulturelle High-Gefühl“ – des „Sgt. Pepper“-Albums ebenfalls erlebt haben. An alle Beatles-Fans, die noch einmal in den hoffnungsfrohen und experimentellen Zeitgeist ihrer Jugend eintauchen möchten, und natürlich auch an jene jungen Hörerinnen und Hörer, die sich – vielleicht zum ersten Mal – über das wichtigste Album der Rock- und Pop-Geschichte informieren wollen.

Kommentare

  • Ich bin
    geschrieben von BeatDaddy (50 Beiträge) am

    ihnen schon in meiner Kindheit verfallen - gegen jeden Spott der Mitschüler - und selbst heute noch laufen die diversen Beatles-Sender über Internetradio fast ausschliesslich... Wenn man alle musikalischen Kunstwerke der vier zusammen nimmt (auch die Solo-Zeit) braucht man keine andere Musik mehr bzw. erscheint einem unrelevant...(mit diversen Ausnahmen selbstverständlich). Vor diesem Hintergrund erscheinen selbst die hochgelobten und immer noch zusammen auftretenden Rolling Stones als quäkende Quetschkombo, gefangen in der Songwelt der Sechziger Jahre und keinesfalls so innovativ und genreübergreifend, wie die Fab Four.



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