12.09.2017 03:30 | Andreas Burger

Starthilfe für sieben Flüchtlinge: Qualifiziert für das Berufsleben

Hochtaunus In nicht einmal sechs Monaten haben sie es geschafft – sieben jugendliche Flüchtlinge starteten gestern in das Abenteuer Berufsleben. Nach der Qualifizierungsmaßnahme im Café Olé wechseln sie ins Praktikum in der Gastronomie. Und diesen Schritt begleitete gestern alles, was im Bereich Hotel und Gaststätten Rang und Namen hat.

Die „alten“ und die „neuen“ Schüler im Café Olé. Gestern verließen sieben die Ausbildungsstätte, um in Betrieben zuerst ein Praktikum und danach eventuell eine Ausbildung zu beginnen.
Die „alten“ und die „neuen“ Schüler im Café Olé. Gestern verließen sieben die Ausbildungsstätte, um in Betrieben zuerst ein Praktikum und danach eventuell eine Ausbildung zu beginnen.

Man dürfte es vorsichtig als gut gemeinte sanfte Gewalt bezeichnen, was seit Anfang des Jahres im Café Olé, der Ausbildungsstätte der Starthilfe Hochtaunus, über die Bühne geht. Und diejenigen, die das straff gespannte Programm über sich ergehen lassen, sind auch noch glücklich, dass es diese Möglichkeit gibt, nach ihrer Flucht im Berufsleben Fuß zu fassen.

Eigentlich war es die Sozialdezernentin Katrin Hechler (SPD), die im August 2016 die Idee hatte. Aber im Hotel- und Gaststättenverband, vertreten durch die Vize-Chefin Kerstin Junghans, dem Café Olé mit den beiden Führungskräften Maria Goldhammer und Eva Urban-Pohl, und der Bürgerstiftung Vordertaunus, fand sie geeignete Mitstreiter. Ludwig Schott als Vorstandsmitglied der Stiftung, betonte, dass diese jungen Männer nun mit mehr Selbstbewusstsein ihren Schritt ins Berufsleben angehen könnten.

Sieben auf einen Streich

Sieben von ihnen haben es geschafft und erhielten die Zertifikation. Im Café Olé lernten sie in den vergangenen sechs Monaten nicht nur, was sie für ihre künftigen Jobs in der Küche oder im Service benötigen, sondern vor allem Deutsch. „Eigentlich müssen die Männer mit guten Sprachkenntnissen beginnen, doch meist haben sie kaum Deutschkenntnisse“, sagte Goldhammer. Und so gibt es mindestens dreimal die Wochen einen Crash-Kurs. Dieser geht auch weiter, denn neben ihrem neuen Job und der Berufsschule sind sie auch noch zwei Tage im Café tätig. Denn dort gehen jeden Tag 120 Essen aus der Küche – unter anderem für die Astrid-Lindgren-Schule und die Kita in Merzhausen. Also werden die Hände auch weiterhin benötigt. Und die Vorkenntnisse? „Sind meist sehr gering“, sagte Goldhammer. Manche hätten schon mal in der Gastronomie gearbeitet, aber gerade Flüchtlinge aus Kriegsgebieten hätten keine Chance gehabt, regelmäßig zur Schule zu gehen.

Hilfe von Fachleuten

Eine, die bei der ganzen Aktion die Teilnehmer nicht nur mit ihrem Fachwissen kräftig schubst, sondern auch bei den Sprachkursen ein Wörtchen mitredet, ist Karina Dyck, einst Chefin des Bad Homburger Maritim Hotels. Nun, im Ruhestand, suchte sie eine neue Aufgabe und fand sie in diesem Projekt.

Die Zukunft der Flüchtlinge ist dennoch nicht in Stein gemeißelt. In ihren Betrieben steht die Bewährung an – haben sie im Café Olé gut aufgepasst, reicht ihr Deutsch, sind sie engagiert? Klappt’s nicht, müssen sie in Usingen eine zweite Runde drehen. Drei von ihnen bewähren sich derzeit auch im Taunus-Menü-Service, genauer in der „Mensa“ des Landratsamtes, und Chef Wolfgang Fritz ist sehr zufrieden.

Bis 2016 bot das Café ebenfalls eine Ausbildungsmöglichkeit an, vor allem für Jugendliche mit etwas ungeradem Lebenslauf. Doch alle dort laufenden Projekte überprüft der Kreis regelmäßig auf Sinnhaftigkeit. 2016 war es dann mit den alten Zöpfen vorbei, Qualifizierung der Flüchtlinge stand plötzlich vorne an. Hechler war gestern ob der Erfolge auch mehr als zufrieden: „Wir müssen die jungen Männer bei ihren Stärken packen und ihre Entwicklung stützen. Dass hier auch private Initiativen den Kreis finanziell unterstützen, kann man nicht hoch genug bewerten.“

Wie wichtig das Fundament für eine gute Ausbildung ist, zeigen auch die jüngsten Zahlen: 98 000 Jugendliche im Kreis sind noch ohne einen Ausbildungsplatz, obwohl wesentlich mehr Angebote zu finden sind. „Viele haben einfach für die Betriebe die Reife noch nicht“, sagte Junghans gestern. Und genau hier setze eben dieses Projekt an. Deshalb gebe es keine treffender Bezeichnung für diese Initiative als den gefundenen Namen „Wir gestalten die Zukunft“.

Zeitgleich mit der Verabschiedung nahm das Café gestern die nächste Runde junger Männer auf. Auch sie werden unter dem Küchenchef Mustapha Toutouch ihre ersten Schritte in der Gastronomie lernen, Deutsch pauken und in spätestens sechs Monaten in die Privatwirtschaft wechseln.

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