13.09.2017 03:30 | Frank Saltenberger

Philipp III. von Nassau-Weilburg ließ die alte Burganlage umbauen: Schloss Neuweilnau. Die schmucke Nebenresidenz

Usinger Land In unser Serie über die wichtigsten historischen Gebäude im Usinger Land werden jetzt die Medaillen vergeben. Bronze geht in die Flächengemeinde Weilrod, die historisch wie landschaftlich eine ganze Menge zu bieten hat.

Das Schloss Neuweilnau hat es auf den dritten Platz unserer Top 10 der historischen Gebäude des Usinger Landes geschafft.
Das Schloss Neuweilnau hat es auf den dritten Platz unserer Top 10 der historischen Gebäude des Usinger Landes geschafft. Bild: Frank Saltenberger

Der erste Podestplatz ist erreicht! In der hier vorgestellten Rangliste der wichtigsten historischen Gebäude im Usinger Land ist das Schloss Neuweilnau auf Platz drei gelandet.

Es handelt sich um ein Schloss, das aus einer Burg hervorgegangen ist. Für die Verhältnisse einer doch eher kleinen Grafschaft ist es ein Prachtbau und ein kulturhistorisches Monument. Setzt man ein Kunstobjekt mit seiner Umgebung in Beziehung, so spricht man von Ambiente. Die Wechselwirkung von Bauwerk und Landschaft ist deshalb auch die Basis für das Einordnung des Schlosses in unser Ranking.

Das nassauische Schloss thront über dem Dorf Neuweilnau. Foto: Frank Saltenberger
Das nassauische Schloss thront über dem Dorf Neuweilnau.

Es befindet sich an einer der landschaftlich schönsten Stellen im Weiltal. Hier verzweigt sich das Tal des Riedelbachs, das Schloss ist umgeben von den sanften Erhebungen und Kuppen des Taunus. Dazu korrespondiert es mit dem Turm der Burg Altweilnau und des dortigen Stadttores. Nicht zu vergessen thront das Schloss über dem Burgdorf mit den noch erhaltenen alten Häusern auf hohen Stützmauern, was seine optische Wirkung nicht verfehlt.

Das Tal Altweilnau besaß vorübergehend sogar Stadtrechte. Die historische Bedeutung dieses Fleckens nahm mit der älteren Weilnauer Burg ihren Anfang. Die Grafen von Diez ließen sich hier nieder und bildeten in staufischer Zeit die politisch-historische Keimzelle des Usinger Landes. Die Herrschaft umfasste eine Reihe von Dörfern entlang der Weil und ihrer Nebenbäche bis hin zu Erlenbach und Usa. In Usingen besaßen die Diezer Grafen Rechte an der Kirche, an Gütern und Menschen.

Pittoresk: Der Torbau von 1565 mit seinem Fachwerk im Obergeschoss. Foto: Frank Saltenberger
Pittoresk: Der Torbau von 1565 mit seinem Fachwerk im Obergeschoss.

Wie in vielen herrschaftlichen Häusern kam es auch bei den Diezern zur Abspaltung von Teillinien. Unter den Grafenbrüdern Heinrich und Gerhard kam es 1302 zur Gründung einer neuen Herrschaft, die mit dem Bau einer Burg – Neuweilnau – auf dem Rödelnberg auch ein Machtzentrum bekam, zu dem auch Usingen gehörte.

Auch die Grafen von Nassau-Weilburg waren bemüht, sich entlang der Weil auszubreiten, schließlich waren hier wirtschaftliche Ressourcen zu erschließen, allen voran die später blühende Eisenindustrie. Sie setzten sich gegenüber den Diezern durch, so dass mit Gerlach von Nassau-Weilburg die bis in preußische Zeit reichende und identitätsstiftende nassauische Geschichte des Usinger Landes begann.

Von der alten Neuweilnauer Burganlage sind nur noch ein Turm, Mauern und der Wassergraben erhalten. Das alles waren mittelalterliche Befestigungsstrukturen, die mit Beginn der Neuzeit ihre Bedeutung verloren. Stattdessen stellten die Territorialherren ihre Macht gerne durch repräsentative Bauten zur Schau. Eines der bedeutendsten Bauwerke dieser Kategorie ist das Residenzschloss Weilburg, das unter Graf Philipp III. durch zahlreiche Umbauten aufgewertet wurde.

Philipp III. erblickte in Neuweilnau das Licht der Welt und hatte vielleicht auch deshalb ein Faible für den Rödelnberg, deren Burg er als Nebenresidenz nutzte. In Weilburg schuf er sich mit dem Ostflügel einen stattlichen Wohnpalast. Auch der Umbau der Weilnauer Burg zu einem Schloss im Stile der Renaissance trägt seine Handschrift. Sie ist geprägt von dem damals typischen Baustil des Übergangs von der Spätgotik mit ihren Kreuzstäben und Spitzbögen zur Renaissance mit ihren Rundbögen. Besonders altdeutsch in diesem Sinne ist der pittoreske Torbau mit seinem Fachwerkobergeschoss, das an der Fernwirkung des Schlosses großen Anteil hat.

Das Schloss war eine zentrale Station für die Reformation des Nassauer Landes, die von Philipp III. gefördert wurde. Mit Eberhard Schnepf berief Philipp im Jahr 1525 den ersten evangelischen Prediger in seine Herrschaft. Nicht nur in Weilburg und Neuweilnau wurde die evangelische Lehre gepredigt, sondern auch in der nassauischen Amtsstadt Usingen, die der Weilburger Graf bei all seinen Aktionen nicht vernachlässigte. Auch in Usingen geht der großangelegte Umbau der alten burgartigen Befestigung zu einem Renaissanceschloss auf Philipp III. zurück. In die Reihe dieser Bauprojekte gehört auch der Eichelbacher Hof zwischen Cratzenbach und Hasselbach.

So ist Neuweilnau und sein Schloss bauliches und historisches Sinnbild für das Usinger Land, das vor allem unter Philipp III. zum Nassauer Land wurde.

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