12.09.2017 03:30 | Stefanie Heil

Politik in Oberursel: Eine Stadt sucht ihre Dezernenten

Oberursel In Oberursel, der zweitgrößten Hochtaunus-Kommune, endet die Amtszeit von Erstem Stadtrat Christof Fink (Grüne) Ende März 2018. Dann muss er gehen, die schwarz-rote Koalition will den bisherigen Kämmerer Thorsten Schorr (CDU) in das Amt wählen. Aber wer folgt dann auf Schorrs Posten?

Thorsten Schorr Bilder >
Thorsten Schorr Bild: Sven-Sebastian Sajak

Die Stellenanzeige ist erschienen: Per Zeitungsannonce sucht die Stadt Oberursel eine hauptamtliche Erste Stadträtin oder einen hauptamtlichen Ersten Stadtrat. Zum 1. April 2018 ist die Stelle zu besetzen, Bewerbungen werden bis 22. September vom Wahlvorbereitungsausschuss entgegengenommen.

Mindestens eine Bewerbung liegt schon vor. Und zwar die des aktuellen Stadtkämmerers Thorsten Schorr (CDU). „Ja, ich habe meine Bewerbung abgegeben“, bestätigt Schorr auf Anfrage dieser Zeitung. Überraschend ist das freilich nicht. Und es ist davon auszugehen, dass der 47 Jahre alte Weißkirchener den Posten auch bekommt, dass er in der November-Sitzung der Stadtverordneten zum neuen Ersten Stadtrat gewählt wird. Denn nach der Kommunalwahl des vergangenen Jahres hat sich die seinerzeit neue Koalition aus CDU und SPD darauf geeinigt, Thorsten Schorr zum Ersten Stadtrat – und damit zum Vertreter von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) – zu wählen.

Das heißt in der Folge: Der bisherige Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne), zuständig für Soziales, Umwelt und Verkehr, muss nach dem Ablauf seiner sechsjährigen Amtszeit am 31. März kommenden Jahres gehen. „Ja, das ist Politik“, sagt der 42-Jährige, der sich schon über 20 Jahre kommunalpolitisch engagiert und über entsprechende Erfahrung verfügt. „Aber enttäuscht bin ich trotzdem.“

„Gut zusammengearbeitet“

Christof Fink hätte gern weitergemacht. Brum, Schorr und er hätten in den vergangenen fünf Jahren gut zusammengearbeitet, meint er, auch als die CDU noch nicht in der Koalition war. Hintergrund: Nach der Kommunalwahl 2011 hatten zunächst SPD, Grüne und Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG) eine Koalition gebildet, die OBG war aber schon im Jahr darauf im Zuge der Diskussion um die Finanzierung des neuen Hallenbads aus dem Bündnis ausgeschieden.

Zurück zum Ersten Stadtrat: Bis zum Ende seiner Amtszeit, verspricht Fink, will er mit derselben Energie wie bislang tätig sein. Und er möchte ihm wichtige Themen vorantreiben, auch wenn er sie nicht mehr im Amt zu Ende bringen kann. Das Programm „Qualität vor Ort“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gehört dazu, für das Oberursel als Modellkommune der „Strategie der frühen Kindheit“ aufgenommen wurde; ebenso das Klimaschutzkonzept.

Für Fink heißt es nun also: einen neuen Job suchen. Er hört und sieht sich zurzeit um, würde gern im Bereich von Politik und Verwaltung bleiben. Nach der Bundestagswahl könnten sich Möglichkeiten ergeben. Vielleicht auch im Land, wo die Grünen in einer Koalition mit der CDU in Verantwortung sind? Allerdings wird in Hessen Ende 2018 ein neuer Landtag gewählt.

Auf Hochtaunus-Ebene aktiv

Fink, der auch Sprecher der Hochtaunus-Grünen ist, will sich zumindest auf dieser Ebene weiter kommunalpolitisch einbringen. In der Stadtpolitik, wo er 1993 im Ortsbeirat Stierstadt angefangen hat, könne eine Pause angesichts der Art des Ausscheidens gut tun, meint Fink. Und sagt: „Ich werde sicher nicht zu den regelmäßigen Besuchern der Stadtverordnetensitzungen gehören.“

Während Fink eine neue Aufgabe sucht, ist dieser Tage auch die SPD auf Suche – nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten. Und zwar für den dritten Posten im hauptamtlichen Magistrat, der ja durch Finks Ausscheiden und Schorrs Aufrücken frei wird. Die große Koalition hat sich nicht nur darauf verständigt, dass Schorr Erster Stadtrat wird, sondern auch darauf, dass die SPD das Vorschlagsrecht für die dritte Kraft hat.

Genossen sondieren

Laut SPD-Vorsitzendem Matthias Fuchs nehmen die Sozialdemokraten derzeit Interessensbekundungen entgegen. Zwar wird diese Personalfrage noch hinter verschlossenen Türen behandelt. Doch glaubt man dem, was hinter vorgehaltener Hand in der Stadt erzählt wird, deutet viel darauf hin, dass erstmals eine Frau in den hauptamtlichen Magistrat in Oberursel einziehen könnte. „Das können wir uns gut vorstellen“, sagt Fuchs in Bezug auf eine weibliche Besetzung. Allerdings gebe es auch „mindestens einen“ männlichen Interessenten.

So oder so: Ist das neue Trio komplett, dürften die Aufgaben wohl neu verteilt werden. Der Zuschnitt der Dezernate obliegt Bürgermeister Brum.

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