17.07.2017 03:30 | Monika Melzer-Hadji

Giftige Pflanze breitet sich immer weiter aus: Jakobskreuzkraut, ein problematischer Farbtupfer

Bad Homburg Schön anzusehen ist es ja, dieses Jakobskreuzkraut, das derzeit an den Straßenrändern und auf Wiesen für knallgelbe Farbtupfer sorgt. Doch die Pflanze, deren Blüten aussehen wie eine komplett gelbe Margerite, ist für einige Tiere hochgiftig und sollte auch vom Menschen nicht über den „Wildkräutersalat“ oder in Form von Tee konsumiert werden.

Pünktlich zum Jakobstag am 25. Juli steht die Jakobskreuzkraut-Pflanze in voller Blüte und lässt anschließend ihre unzähligen Samen durch den Wind verbreiten. Was hübsch anzusehen ist, sorgt bei Landwirten und Pferdebesitzern für Unruhe, denn das Gewächs ist giftig.
Pünktlich zum Jakobstag am 25. Juli steht die Jakobskreuzkraut-Pflanze in voller Blüte und lässt anschließend ihre unzähligen Samen durch den Wind verbreiten. Was hübsch anzusehen ist, sorgt bei Landwirten und Pferdebesitzern für Unruhe, denn das Gewächs ist giftig. Bild: Kerstin Kaminsky

In Blumenvasen ist es zwar ein hübscher Anblick, doch das Jakobskreuzkraut hat es in sich: Insbesondere für Pferde und Rinder ist das Kraut aus der Familie der Korbblütler giftig. Inwiefern die leberschädigenden Giftstoffe über die Kuhmilch auch für Menschen zur Gefahr werden können, wird in Fachkreisen eifrig diskutiert. „Die Tiere fressen das zwar auf den Weiden nicht, die sind ja nicht dumm, sondern riechen die Giftigkeit. Aber wenn das Kraut über das Heu eingeschnitten wird, nehmen sie es eben doch auf“, erklärt Tom Hacker, Pferdewirtschaftsmeister auf dem Gonzenheimer Hof Westerfeld. Damit das nicht passiert, kontrolliert Helmut Gubitz, dem der Hof Westerfeld gehört, regelmäßig die Weiden. Wo Jakobskreuzkraut steht, wird es samt Wurzel ausgegraben und kompostiert.

Der Landwirt bestätigt, dass sich das Gewächs in den letzten Jahren stark ausbreitet. Insbesondere an den Straßenrändern des Ostrings zwischen Ober-Erlenbach und Ober-Eschbach (L 3057) und weiter Richtung Bad Vilbel (L 3205) wuchert das gelbe Kraut, es taucht aber auch immer öfter am Wegesrand auf, beispielsweise entlang der Peterhofer Straße. „Für den Ackerbau ist das noch kein Problem. Doch weil sich die Samen durch den Wind verteilen, muss man rechtzeitig dagegenarbeiten, sonst hat man keine Chance“, erklärt Gubitz, der genau guckt, ob Jakobskreuzkraut auf einer Wiese steht, bevor er die zum Heumachen abmäht.

Ungepflegte Straßenränder

Er vermutet, dass sich die Pflanze deshalb verstärkt ausbreitet, weil die Straßenränder nicht mehr so gepflegt werden wie früher, und er erklärt weiter: „Durch Naturschutzauflagen wie Brutzeiten züchten wir uns das Zeug selbst.“ Auf gemeinsames Vorgehen gegen das weitere Ausbreiten des Wildkrauts setzt auch Georg Kopp: „Wir müssen an diesem Problem unbedingt dranbleiben, öfter und früher mähen. Da müssen Straßenbauämter, Kommunen und Landwirte eng zusammenarbeiten“, fordert der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Hochtaunus.

Auf Nachfrage bei Hessen Mobil, das für die Pflege der Straßenränder an Kreis-, Landes-, Bundesstraßen sowie an hessischen Autobahnen zuständig ist, erklärt Pressesprecherin Suzanne Braake: „Das Auftreten von Jakobskreuzkraut und die damit verbundene Problematik ist bei Hessen Mobil durchaus bekannt. Zu diesem Themenkomplex finden umfassende Abstimmungen zwischen Umwelt- und Verkehrsministerium sowie den Fachbehörden statt.“ Entgegen der Hessen-Mobil-Beteuerung, dass in den Regel-Saatgut-Mischungen keine Jakobskreuzkraut-Samen verwendet wurden, hält sich eisern das Gerücht, dass vor Jahren Jakobskreuzkraut als kleiner Anteil im ausgebrachten Saatgut enthalten gewesen sein soll. Was diese Vermutung stützt, ist die Tatsache, dass es besonders häufig entlang der vor einigen Jahren gebauten Umgehungsstraßen wuchert.

Was die Bekämpfung des Jakobskreuzkrauts betrifft, teilt man bei Hessen Mobil nicht die Meinung, dass häufigeres Mähen sinnvoll ist: „Jakobskreuzkraut besitzt ein hohes Verbreitungspotenzial, da es eine lange Blühzeit sowie eine hohe Samenproduktion aufweist. Hinzu kommt, dass die Samen im Boden bis zu 25 Jahre ihre Keimfähigkeit behalten. Der Ausbreitungserfolg dieser Pflanze beschränkt sich aber nicht allein auf die generative Vermehrung. Die zweijährige Pflanze wird bei Störung (zum Beispiel durch Mahd) oder durch unvollständig durchgeführte Bekämpfungsmethoden (Spritzmittel oder Anhacken) zur mehrjährigen Staude. Aus der Hauptwurzel bilden sich dann Wurzelknospen, die wiederum Tochterpflanzen entstehen lassen. Somit kann durch die Mahd eine Verbreitung des Jakobskreuzkrauts nicht verhindert werden“, so die Pressesprecherin, die ferner mitteilt, dass es kein staatliches Bekämpfungsgebot für Jakobskreuzkraut gäbe und die Bekämpfung heimischer Wildkräuter nicht zu den originären Aufgaben von Hessen Mobil gehöre. Auch sei die Verhinderung von Samenflug keine Baulastträgeraufgabe.

Die Stadt Bad Homburg, wo man wie berichtet großes Pech mit einem erst im Frühjahr beauftragten Unternehmen zur Grünpflege hatte (die neue Ausschreibung läuft laut Stadtsprecherin Anke Kreiger derzeit noch), bittet darum, dem Grünamt per Mail (gruenflaechen@bad-homburg.de) oder über das Bürgertelefon, (0 61 72) 1 00–12 10, mitzuteilen, wo sich Jakobskreuzkraut breitgemacht hat, damit eine „Feuerwehr“-Truppe des Betriebshofs eingreifen kann, bevor die Pflanze ihre vielen Pusteblume ähnlichen Samen verteilt.

Die gute Nachricht zum Schluss: Als unbedenklich wird das Jakobskreuzkraut für die heimische Imkerei beschrieben – allerdings wurden in importiertem Honig bereits gefährliche Konzentrationen der leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide festgestellt.

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