11.09.2017 03:00 | Stefanie Heil

Gewerbeverein spricht über Frankfurts Pläne: Wenn der neue Frankfurter Stadtteil kommt, bangt der Steinbacher Handel

Steinbach Frankfurts Vorhaben, einen neuen Stadtteil zu bauen, war am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung des Steinbacher Gewerbevereins ein großes Thema. Denn der örtliche Handel wäre von der neuen Nachbarschaft stark betroffen.

Die Geschäftsleute an der Bahnstraße in Steinbach sind auf Durchgangsverkehr angewiesen. Archivfoto: jr
Die Geschäftsleute an der Bahnstraße in Steinbach sind auf Durchgangsverkehr angewiesen. Archivfoto: jr Bild: Jochen Reichwein

Lars Knobloch hatte am Freitagabend gleich mehrere Hüte auf: Zur Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins war der Krone-Fisch-Chef als Vorstandsmitglied des Vereins gekommen, aber auch als Erster Stadtrat in Vertretung des Bürgermeisters.

Und dann sprach kurz auch der FDP-Vorsitzende Lars Knobloch, der berichtete, dass mittlerweile etwa 800 Unterschriften gegen eine Bebauung westlich der A 5 zusammengekommen sind. Die FDP hatte diese Unterschriftensammlung initiiert, damit Bürger ein Statement in Bezug auf Frankfurts Großbaupläne setzen können. Der Frankfurter Magistrat hat gerade eine Studie für die sogenannte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschlossen, die in einen neuen Stadtteil im Nordwesten münden soll. Dieser soll beiderseits der Autobahn liegen, etwa 30 000 Menschen ein Zuhause bieten und würde nah an die Steinbacher Bebauung heranrücken.

Das hätte Auswirkungen auf die Steinbacher Geschäftswelt. Weshalb Knobloch am Freitag als Erster Stadtrat ausführlich über das Thema sprach. „Das wird ein Mittelzentrum mit Einkaufsmöglichkeiten“, sagte Knobloch über den geplanten Stadtteil. Wenn jemand sage, die Einwohner des Neubaugebiets kämen vielleicht nach Steinbach zum Einkaufen, dann sei das einseitig gedacht. Schließlich könnten die Steinbacher auch für Erledigungen dorthin fahren.

Neue Straße

Steinbachs Handel wäre zum einen von der Konkurrenz durch Geschäfte in der neuen Nachbarschaft betroffen, zum anderen durch veränderte Verkehrsströme, stellt Frankfurt doch die Südumgehung in Aussicht. Die wäre laut Knobloch zwar keine Umgehungs-, sondern eine Erschließungsstraße. Gleichwohl kann das dazu führen, dass weniger Autos durch Steinbach fahren.

Zuletzt hatte es geheißen, dass etwa 14 000 Autos am Tag über die Bahnstraße, also die Ortsdurchfahrt, rollen. „Wir wollen nicht mehr, aber auch nicht weniger Verkehr“, sagte Knobloch. „Wir wollen die Steinbacher in Steinbach halten und die Bahnstraße attraktiver machen.“ Daher achtet die Stadt bei Bauprojekten an der Bahnstraße auf Ladenflächen im Erdgeschoss.

„Was können wir tun?“

Außer der Umgehungsstraße steht als Verkehrsprojekt auch die Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 nach Steinbach im Raum. „Die U 6 ist nicht der große Wurf, wie Frankfurt versucht, ihn zu verkaufen“, sagte Knobloch. Die U 6 sei kein Quantensprung wie die ebenfalls geplante Regionaltangente West. Denn die U-Bahn würde weitgehend parallel zur vorhandenen S 5 verlaufen.

„Was können Vereine und Bürger tun?“, wollte Walter Schütz, Vorstandsmitglied des Gewerbevereins, wissen. „Sich an der Unterschriftenaktion beteiligen, Veranstaltungen besuchen, soziale Netzwerke nutzen“, antwortete Knobloch. Ihm ist aufgefallen, dass sich die Menschen anders als sonst schon früh für das Projekt interessieren. „Oft ist es so, dass der Protest erst losgeht, wenn der Bagger rollt.“

Jeder solle sich Gedanken machen, was Frankfurts Vorhaben für das Gewerbe bedeute, appellierte Knobloch. Gewerbevereinschef Boris Jatho bat abschließend um Stellungnahmen der Mitglieder. Liegen diese vor, will der Vorstand über das Thema beraten.

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