12.09.2017 03:00 |

Die Natur braucht Geduld: Wildblumen auf den Blühstreifen brauchen mehr als ein Jahr, um üppig zu blühen

Oberursel Die Blühstreifen in Oberursel, die mit Blumen und Kräutern Insekten anlocken sollten, erfüllten in diesem Jahr noch nicht ihren Zweck. Am meisten wucherten Unkraut und exotische Arten.

Auf den ehrenamtlich angelegten Blühstreifen in Oberursel tat sich noch nicht viel, um Wildbienen anzulocken. Das soll im nächsten Jahr besser werden.
Auf den ehrenamtlich angelegten Blühstreifen in Oberursel tat sich noch nicht viel, um Wildbienen anzulocken. Das soll im nächsten Jahr besser werden. Bild: Matthias Reichwein

Als vor ein paar Jahren die ersten Blühstreifen in Oberursel entstanden, ernteten die Initiatoren Bewunderung und Lob. 2014 gab es denn auch gleich 30 davon in der Brunnenstadt. Heute hagelt es gegenüber dem Landwirtschaftlichen Förderverein Oberursel (LFO) sowie der Stadt und dem BSO Beschwerden. Viele Anwohner wollen wissen, warum es da nicht mehr so schön blüht. Gerade einmal vier Blühstreifen gibt es noch und die sehen eher mager und struppig aus.

„Es wird wieder“, beruhigt LFO-Mitglied Ute Petersen, „nur auf eine andere Weise.“ Nicht alle Ziele des LFO konnten mit der Blumenpracht erreicht werden. Manche Insekten, vor allem die Wildbienen, wurden gar nicht adäquat bedient, denn die eher exotischen Pflanzenmischungen bargen gar keine Nahrung für sie. So konnte auch die Bestäubungsleistung auf den Feldern nicht positiv beeinflusst werden. Diese Blumen wurden als einjährige Saatgutmischungen am stets gleichen Standort eingebracht. Alles zusammen verursachte einen „Unkrautdruck“, der den Blühpflanzen keine Chance mehr ließ, so Vereinsvorsitzender Jörg Steden. Nur einheimische Wildpflanzen sowie mehrjährige Arten erhöhen die Biodiversität nachhaltig, weiß heute der LFO. Doch eine Wiese mit Kräutern und Blumen brauche Zeit. Erst mit der richtigen Pflege könne sich die erwünschte Pracht entwickeln.

Nahrung für Vögel

Am Bahnhof (Nassauer Straße) haben Vereinsmitglieder des LFO ehrenamtlich eine Fläche von 600 Quadratmetern gefräst und heimische Wildpflanzen gesät. Kornblume, Malve, Wilde Möhre, Ringelblume oder Klatschmohn hat die Naturliebhaberin Petra Weihönig übers Jahr wachsen sehen. Insgesamt zählte sie 15 Sorten und vermutet „noch mehr Potenzial im Boden“. Unabhängig vom jeweils aktuellen Pflanzenstand war der Wiesenstreifen immer „ein Paradies für Insekten wie Wildbienen oder Schwebfliegen, die sich auch als Futter für Fledermäuse und Vögel in den Kreislauf einreihten“. „Nur leider“, so Ute Petersen, „sind die einheimischen Mischungen im Jahr der Aussaat noch nicht so imposant anzusehen.“ Manchmal lasse man extra etwas verblühen, damit der Samen richtig reife oder einzelne Exemplare direkt als Vogelnährpflanzen genutzt werden können. „Und dann heißt es wieder, der BSO macht seine Arbeit nicht ordentlich“, beklagt der Betriebsabteilungsleiter Thomas Bücher. Doch genau das hat Uwe Hercher am vergangenen Freitag getan. Er brachte die Mähmaschine zum Einsatz und ließ hinterher das Abgemähte auf dem Blühstreifen liegen.

Zehn Blühstreifen geplant

„So geben wir den Grashüpfern und allen anderen Insekten, die wir schließlich angelockt haben, Zeit herauszuhopsen“, sagt er. Auch könne der Samen aus den Pflanzen herausfallen, damit der Wiesenstreifen von Jahr zu Jahr üppiger wird.

„Schön wäre ein stadtweites Konzept, das Wiesenblumenstreifen, Staudenbegrenzungen, wenn nötig auch die blühenden Eye-Catcher umfasst“, sagte Andrea Königslehner, Marketingleiterin der Stadtwerke Oberursel, einem der Projektsponsoren. Der LFO möchte wieder auf zehn Blühstreifen kommen, so Steden. Und vielleicht schafften es die Landwirte ja noch, Anwohner von Sinn und Schönheit einheimischer Wildblumen zu überzeugen.

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