13.09.2017 03:30 | Klaus Späne

Tibethaus Deutschland hat eine neue Adresse: Brücke zwischen Ost und West

Frankfurt Das Tibethaus Deutschland in Frankfurt ist ein Stück Heimat für Exil-Tibeter und Anlaufstation für alle, die sich für tibetische Kultur interessieren. Seit gestern hat es ein neue, größere Bleibe. Einziger Wermutstropfen bei der feierlichen Eröffnung war das Fernbleiben des Stargastes.

Tibet Haus
Ex-Ministerpräsident Roland Koch, Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker und Klaus Jork, Ehrenvorsitzender des Tibethauses, übergeben den Schlüssel an den spirituellen Leiter Dagyab Rinpoche und Vorstand Puntsok Tsering (von rechts). Bild: Yvonne Späne

Die Hiobsbotschaft gibt es vor Beginn der Veranstaltung: „Seine Heiligkeit wird heute nicht nach Frankfurt kommen“, verkündet Andreas Hilmer, Sprecher des Tibethauses Deutschland mit betretener Miene. In anderen Worten: Der Dalai Lama, um den sich die Eröffnung der Einrichtung drehen sollte, schafft es nicht rechtzeitig, nach Frankfurt zu kommen. Und das aus einem ganz profanen Grund: Ein technischer Defekt verhinderte, dass der Flieger in Irland starten konnte, wo sich das geistliche Oberhaupt der Tibeter in den letzten Tagen aufhielt.

Aber um es gleich zu sagen: Auch ohne den Stargast gestaltet sich die Einweihung des neuen Dreh- und Angelpunkts für Tibeter in Deutschland als stimmungsvolles Event. Mit dafür verantwortlich ist das besondere Ambiente. Das Tibethaus ist in einer alten Professorenvilla auf dem ehemaligen Campus der Goethe-Universität untergebracht. Genauer gesagt liegt es im Schatten der Messe sowie des Marriot-Hotels. Ein weiterer Grund ist die besondere Bedeutung, die mit der Einrichtung verbunden ist.

Foto: Yvonne Späne
In der ehemaligen Professorenvilla residiert das Tibethaus.

Das Haus solle eine Brückenfunktion zwischen Ost und West übernehmen und ein Stück Zuhause sein für Exil-Tibeter sowie alle, die sich für tibetische und buddhistische Kultur interessieren, sagt der geschäftsführende Vorstand des Tibethauses, Puntsok Tsering. Zugleich erinnert er an die Geschichte der tibetischen Gemeinde in Frankfurt und Deutschland.

Diese residierte die vergangenen elf Jahre im Frankfurter Stadtteil Bockenheim, dort war es aber mit der Zeit zu klein geworden. Und immer strahlte das Haus weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus, zumal es eine Alleinstellung in Deutschland besitzt. Zudem ist es neben New York weltweit das einzige Tibethaus, das vom Mutterhaus in Neu Delhi anerkannt wird.

Kein Wunder also, dass sich am Dienstag an die 500 Gäste zur symbolischen Schlüsselübergabe eingefunden haben. Darunter auch Prominenz wie der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch und die grüne Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth.

„Frankfurt und Hessen können stolz darauf sein, ihre Unterstützung für die Tibeter stets aufrecht- erhalten zu haben“, sagt Roth. Gerade angesichts des Drucks, der von unterschiedlichen Seiten ausgeübt werde, nicht zuletzt auch von chinesischer Seite.

„Das Haus ist ein Meilenstein der Sichtbarkeit der tibetischen Kultur in der Rhein-Main Region“, sagte Roland Koch. Für diejenigen, die sich für Tibet, seine Menschen und Kultur interessieren, biete es eine stabile, feste Basis.

„Ein Schaufenster tibetischer Kultur wird ausgeweitet“, betont Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) die Funktion des Tibethauses. Der Dalai Lama sei durch mehrere Besuche ein guter Freund der Stadt geworden. Becker verweist auch darauf, dass die Villa im Besitz der AGB, der Wohnungsbaugesellschaft Frankfurt, gestanden hatte, bevor sie für drei Millionen Euro von der Kulturstiftung des Tibethauses aus Vereinsmitteln, Zustiftungen und Spenden erworben und umgebaut wurde.

Auf 600 Quadratmetern sollen dort in Zukunft Abendkurse, Seminare, Workshops, Vorträge und Studienprogramme stattfinden, um nur ein paar Beispiele aus dem vielfältigen Programm zu nennen.

Ob der Dalai Lama dem Haus noch seinen Segen geben wird, ist offen. Bis Donnerstag will er in Frankfurt bleiben – mit vollgepacktem Terminkalender.

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