11.09.2017 03:00 | Peppi Schmitt

Der Star hat geliefert: Kevin-Prince Boateng zeigt sich als Anführer auf und neben dem Platz

Mönchengladbach/Frankfurt Kevin-Prince Boateng war in Mönchengladbach der Mann des Tages bei der Frankfurter Eintracht. Er schoss das Siegtor und bewies großes menschliches Mitgefühl.

Torjubel mit Gänsehautfaktor: Kevin-Prince Boateng erinnerte mit einer T-Shirt-Botschaft an das schwere Schicksal von Abdelhak Nouri von Ajax Amsterdam, der nach einer Herzattacke schwere irreparable Hirnschäden davongetragen hatte.
Torjubel mit Gänsehautfaktor: Kevin-Prince Boateng erinnerte mit einer T-Shirt-Botschaft an das schwere Schicksal von Abdelhak Nouri von Ajax Amsterdam, der nach einer Herzattacke schwere irreparable Hirnschäden davongetragen hatte. Bild: Huebner/Hufnagel (Jan Huebner)

Der Star ist der Star. Bei der Frankfurter Eintracht dreht sich immer mehr um Kevin-Prince Boateng. In Mönchengladbach ist dem prominenten Angreifer sein erstes Tor für die Eintracht in der Fußball-Bundesliga gelungen, es war gleich der Siegtreffer zum 1:0 (1:0). Boateng hat also zum ersten Mal geliefert. Und nicht nur auf dem Platz. Er hat im Mittelpunkt gestanden, auch später sehr überzeugend beim Interview-Marathon. Trainer Niko Kovac ist gar nicht böse über die herausgehobene Stellung des 30 Jahre alten Paradiesvogels. „Er kann die Mannschaft führen“, sagte Kovac, „das haben wir gebraucht und das haben wir bekommen.“ Schon nach drei Einsätzen sind sie in Frankfurt überzeugt, mit dem Transfer von „KPB“ genau das Richtige für die Fortentwicklung der Mannschaft und des ganzen Vereins getan zu haben.

Boateng bedient all das, was sie in Frankfurt von ihm erhofft haben. Zuallererst: Er spielt gut. „Er wird von Woche zu Woche besser“, lobt der Trainer. Dabei hatte das Spiel gar nicht gut begonnen für die Eintracht. Und das wegen Boateng. Nach 50 Sekunden hatte der Ball zum ersten Mal im Gladbacher Tor gelegen. Nach Jetro Willems’ Flanke hatten Sebastien Haller und Mijat Gacinovic den Ball Richtung Tor bugsiert. Torwart Yann Sommer war schon aus dem Spiel, der Ball kullerte Richtung Tor. Doch plötzlich stand da Boateng, drückte ihn über die Linie. Dumm nur, er hatte klar im Abseits gestanden. „Im Spiel habe ich das nicht so gemerkt, aber dann hatte ich das Gefühl, ich hätte uns das Tor geklaut“, sagte er später, „zum Glück habe ich meinen Fehler gutgemacht.“ Trainer Kovac war draußen jedenfalls „mächtig sauer“.

Früher Blackout

Sportvorstand Fredi Bobic, einst selbst ein erfolgreicher Stürmer, hatte Verständnis für Boateng. „Er war in Bewegung, da stoppst du als Stürmer nicht mehr“, sagte Bobic. Nach dem Sieg konnten sie alle schmunzeln über den frühen Blackout. „Das wäre das einfachste Tor meiner Karriere gewesen“, witzelte Boateng, „das wollte ich mir nicht entgehen lassen.“

Gut für ihn, gut für die Eintracht, dass Boateng zwölf Minuten später regelgerecht traf. Haller hatte aufgelegt, Boateng aus sechs, sieben Metern getroffen. Eine Gemeinschaftsarbeit des neuen Frankfurter Sturmduos, das die Gladbacher Abwehr über eine halbe Stunde lang von einer Verlegenheit in die andere gestürzt hatte.

Das Spiel der Eintracht war denkbar einfach angelegt: Weite Schläge auf Haller und Boateng, die sollten annehmen, den Ball „festmachen“, ablegen und die anderen nachrücken. Das hat geklappt.

Dabei seien sie noch in der Findungsphase, wie Boateng betonte. „Wir verstehen und von Woche zu Woche besser“, stellte er fest. Dass der französische Partner seine größte Qualität im Behaupten des Balles hat, ist für Boateng keine Überraschung.

„Wenn man zwei Meter groß ist, muss man den Ball auch halten können“, sagt er. Die Zusammenarbeit müsse in den nächsten Wochen aber noch besser werden.

Doch Boateng wollte nicht nur über den Stürmerkollegen und sich selbst sprechen, sondern am liebsten über die ganze Mannschaft. Die habe das in Mönchengladbach „sehr gut“ gemacht. Der Start sei aber erst dann so richtig gelungen, wenn nächste Woche noch ein Sieg gegen Augsburg folgt. „Dann ist es ein sehr, sehr guter Start“, sagt Boateng, schließlich dürfe man nicht vergessen, dass quasi eine neue Mannschaft auf dem Feld gestanden habe. Sieben Neuzugänge hatte der Trainer zu Beginn aufgeboten, insgesamt elf haben die Frankfurter geholt. „Dafür dass wir 480 Sprachen in der Kabine haben, läuft es schon ganz gut“, lachte Boateng.

„Tief bewegt“

Doch Gladbach war für ihn nicht nur Spaß. Das Spiel hatte auch ernste Momente. Gerade nach dem Tor. Da lüftete er sein Trikot und zeigte ein T-Shirt mit dem Namen Nouri und der Nummer 34. Boateng erinnerte damit an das schwere Schicksal von Abdelhak Nouri von Ajax Amsterdam, der bei einem Unfall in einem Freundschaftsspiel vor der Saison gegen Werder Bremen eine Herzattacke erlitten und dabei schwere irreparable Hirnschäden davongetragen hatte.

„Diese Tragödie hat mich tief bewegt“, erklärte Boateng. Er kenne den Spieler nicht persönlich, aber er werde für ihn und dessen Familie beten. Das T-Shirt will er die ganze Saison tragen.

Trainer Kovac war nach dem Spiel fast ins Schwärmen geraten über seinen neuen Anführer. „Prince ist eine Persönlichkeit, er hat Empathie und Gefühle“, sagte er. Kovac ist dankbar, dass die Vereinsführung den Transfer möglich gemacht hat. „Er hat in großen Clubs gespielt, wir haben ihn bekommen“, sagte er.

Dass er Boateng schon nach 51 Minuten vom Platz holen musste, lag an einem Zusammenprall mit dem Mönchengladbacher Jannick Vestergaard. Boateng hatte in der Hitze des Gefechts dessen Ellbogen an die Schläfe bekommen.

„Mir war danach schwindlig, ich bin nicht mehr richtig in die Spur gekommen“, sagt Boateng, „da konnte ich nicht mehr helfen.“ Ein paar Eisbeutel später ist es ihm wieder gut gegangen.

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